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ⓘ Aquarium (Band)




Aquarium (Band)
                                     

ⓘ Aquarium (Band)

Aquarium ist eine russische Rockgruppe, die 1972 von Boris Grebenschtschikow, damals Student der Angewandten Mathematik an der Leningrader Staatsuniversität, und Anatoli "George" Gunizki, damals ein Dramatiker und Dichter im Stile der Absurdität, gegründet wurde. Als Pioniere des Perestroika-Rock gelten sie, zusammen mit den Bands Kino und DDT als bedeutende Exponenten der neueren russischen Rockmusik.

                                     

1. Geschichte

Während der 1970er und der frühen 1980er Jahre war Rock ’n’ Roll in der Sowjetunion verboten, lediglich einige wenige staatsnahe Künstler bildeten hierbei eine Ausnahme, weshalb Aquarium-Konzerte für gewöhnlich in privaten Wohnungen stattfanden und zumeist "unplugged" gespielt wurden, um nicht von hellhörigen Nachbarn verraten zu werden sowie aus technischen Gründen. Konzerte dieser Art waren für die Undergroundszene der Sowjetunion in dieser Zeit typisch. Der begrenzte Platz schuf zwischen Band und Zuhörerschaft eine intime Atmosphäre, in der mit angehaltenem Atem gelauscht wurde. Aufnahmen wurden wenn dann mithilfe eines einfachen Kassettenrekorders getätigt. Diesbezüglich bestand eine Ähnlichkeit zum Konzept der russischen Barden, wenngleich Aquarium weit stärker von westlicher Musik beeinflusst waren, insbesondere von den Beatles, Bob Dylan, David Bowie, Roxy Music, Prog-Rock-Bands wie Jethro Tull, King Crimson und auch Reggae, was zur Folge hatte, dass ihre Kompositionen musikalisch komplexer waren und ihre Texte ein breites Spektrum an Themen umfasste, wobei sich unter anderem auch Grebenschtschikows Belesenheit in Sachen keltischer und indischer Kultur zeigte.

Bis 1987 nahmen Aquarium, deren Mitglieder teilweise ingenieurstechnische Ausbildung genossen hatten, all ihre Alben in einem selbstaufgebauten Undergroundstudio auf, das sie als "Klub junger Techniker" tarnten, für die Aufnahmen des 1983er Albums Radio Afrika benutzten sie heimlich ein mobiles Studio der Regierung, nachdem sie einen Techniker bestochen hatten. Trotz dieser widrigen Umstände war die Aufnahmequalität ihrer Alben relativ hoch, die von 1980 bis 1987 erschienenen Alben gelten in Fachkreisen als ihre Besten.

Im Zuge der 1985 von Michail Gorbatschow eingeführten Glasnost traten viele russische Untergrundmusiker an die Öffentlichkeit, wobei Aquarium zu einer der beliebtesten Musikgruppen wurde. Ihnen war nun gestattet in großen Konzerthallen zu spielen, sie erschienen in den Programmen staatlicher Fernsehsender und trugen zu Soundtracks mehrerer Filme, wie etwa "Assa" aus dem Jahre 1988 bei. 1987 folgte die Aufnahme eines ersten Albums Rawnodenstwije für das staatliche Plattenlabel Melodija Мелодия, das in der Sowjetunion – veröffentlicht mit einem offiziellen Backing-Katalog und legalisiertem Vertrieb – ein großer Erfolg wurde und sich innerhalb weniger Monate über eine Million Mal verkaufte. Dieses Album war jedoch gleichzeitig das letzte in Originalbesetzung, die Band brach danach rasch auseinander.

Nach dem Split veröffentlichte Grebenschtschikow zwei Alben in englischer Sprache auf "Radio Silence" und das erst später halboffiziell veröffentlichte "Radio London" und ging mit diversen Backup-Bands auf Tournee. 1991, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, veröffentlichte er unter dem Namen "BG-Band" das Russki Albom dt. Russisches Album, eine Zusammenstellung melancholischer Volkslieder, die von seinen Reisen durch ganz Russland geprägt waren und seine russischen Wurzeln hervorhoben. Mit dieser Band veröffentlichte er weitere Alben, tourte ausgiebig durch die gesamte ehemalige Sowjetunion und Osteuropa und trat auch vor Gemeinschaften russischer Immigranten in Deutschland, Israel und den Vereinigten Staaten auf.

Obwohl Aquarium besonders von traditionellen Fans aufgrund der Entfernung von ihrem ursprünglichen Stil und andauernder Besetzungswechsel kritisiert wurden, erfreut sich die Gruppe in Russland bis heute noch großer Erfolge, sowohl alte als auch neue Lieder erreichen ein hohes Airplay, die Alben verkaufen sich gut und die Gruppe geht immer noch auf Tour.

Nach den Torf- und Waldbränden vom Sommer 2010 spendete die Gruppe 60 Prozent vom Download-Verkauf ihres digital neu aufbereiteten Albums "Nascha schisn s totschki srenija derewjew" "Unser Leben aus Sicht der Bäume" mit Live-Aufnahmen von 1987 für die Opfer dieser Feuer.

Im 2017 sammelte die Jabloko Unterschriften für einen Rückzug der russischen Truppen aus Syrien unter dem Namen "Lass uns nach Hause gehen", einer Aussage aus dem Song This Train’s on Fire von Aquarium.

                                     

2. Besetzung

Die Besetzung von Aquarium unterliegt einer starken Fluktuation, was in den Augen vieler Fans die Band zu einem Soloprojekt Grebenschtschikows macht. Die aktuelle Besetzung lautet wie folgt:

  • Alexey Zubarev, Gitarre
  • Andrei Surotdinow Geige
  • Liam Bradley
  • Alexander Titow E-Bass
  • Boris Grebenschtschikow
  • Brian Finnegan
                                     

3. Diskographie

AQUARIUM

  • Puschkinskaja, 10 Пушкинская, 10; dt.: "Puschkinstraße 10" ; 2009
  • Kunstkamera Кунсткамера, dt.: "Kunstkammer" ; 1998
  • Pesni Rybaka Песни рыбака, dt.: "Fischerlieder" ; 2003
  • Sestra Chaos Сестра Хаос, dt.: "Schwester Chaos" ; 2002
  • 50 BG 50 БГ; 2003
  • Giperboreja Гиперборея, dt.: "Hyperborea" ; 1997
  • Tabu Табу; 1982
  • Kostroma mon amour Кострома Mon Amour; 1994
  • Treugolnik Треугольник, dt.: "Dreieck" ; 1981
  • Sini Albom Синий альбом, dt.: "Blaues Album" ; 1981
  • Peski Peterburga Пески Петербурга, dt.: "Die Sande von Petersburg"; 1994
  • Desjat strel Десять стрел, dt.: "Zehn Pfeile" ; 1986
  • Bardo 1997; Aquarium inkognito als Russko-Abissinski Orkestr, dt. Russisch-Abessinisches Orchester
  • Akustika. Istorija Akwariuma – Tom 1 Акустика. История Аквариума – Том 1; dt.: Akustik. Aquariums Geschichte – Band 1; 1982
  • Rawnodenstwije Равноденствие, dt.: "Tagundnachtgleiche" ; 1987
  • Elektritschestwo. Istorija Akwariuma – Tom 2 Электричество. История Аквариума – Том 2; dt.: Elektrizität. Aquariums Geschichte – Band 2; 1981
  • Ichtiologija Ихтиология, dt.: "Ichthyologie" ; 1984
  • Archangelsk Архангельск; dt. "Archangelsk" ; 2011
  • Deti Dekabrja Дети Декабря, dt.: "Dezemberkinder" ; 1985
  • Tschjornaja rosa – emblema petschali, krasnaja rosa – emblema ljubwi
  • Sneschny Lew Снежный Лев, dt.: "Schneelöwe" ; 1996
  • Pjatiugolny Grech Пятиугольный грех, dt. "Fünfeckige Sünde" ; 2000; Aquarium inkognito als Terrarium
  • Nascha schisn s totschki srenija derewjew Наша жизнь с точки зрения деревьев; dt. "Unser Leben aus Sicht der Bäume" ; 2010
  • Archiw. Istorija Akwariuma – Tom 3 Архив. История Аквариума – Том 3; dt.: Archiv. Aquariums Geschichte – Band 3; 1991
  • Radio Afrika Радио Африка; 1983
  • Biblioteka Wawilona. Istorija Akwariuma – Tom 4 Библиотека Вавилона. История Аквариума – Том 4; dt.: Die Bibliothek von Babylon. Aquariums Geschichte – Band 4; 1993
  • Loschad Belaja Лошадь белая, dt.: "Weißes Pferd" ; 2008
  • Ψ "Psi" ; 1999
  • Nawigator Навигатор, dt.: "Navigator" ; 1995
  • Territorija Территория, dt.: "Territorium" ; 2000; Kompilation
  • Bespetschny Russki Brodjaga Беспечный русский бродяга, dt.: "Sorgloser russischer Vagabund" ; 2006
  • Den Serebra День Серебра, dt.: "Tag des Silbers" ; 1984
  • Assa 1987
  • Ljubimye Pesni Ramsesa IV Любимые Песни Рамзеса IV, dt.: "Lieblingslieder Ramses IV." ; 1993
  • ZOOM 2005
  • Dom pod swjosdnym nebom Дом под звёздным небом, dt.: "Haus unterm Sternenhimmel" 1990 – FIRST RELEASED IN 2000 UNDER NAME "Сделано на Мосфильме, eng.: Made On Mosfilm;

Boris Grebenshikov – Борис Гребенщиков known as BG/БГ

  • Pesni Alexandra Wertinskogo Песни Александра Вертинского, dt.: "Alexander Wertinskis Lieder" ; 1994
  • Radio Silence 1989
  • Переправа /BG+Gabrielle Roth & The Mirrors/2002
  • Прибежище /БГ+Gabrielle Roth & The Mirrors/1998
  • Lilit Лилит; 1997
  • Radio London 1990
  • Tschubtschik Чубчик; 1996
  • Песни Булата Окуджавы 1999
  • Russki Albom Русский Альбом, dt.: "Russisches Album" ; 1991
  • Борис Гребенщиков и Deadушки /БГ+Deadушки/1998
  • Без слов 2004
  • Saduschewnye Pesni
  • Pisma kapitana Woronina Письма капитана Воронина, dt.: "Kapitän Wowronins Briefe" ; 1993
  • Молитва и пост 1998