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ⓘ Weltreligion




                                               

Judentum

Unter Judentum versteht man einerseits die Religion, die Traditionen und Lebensweise, die Philosophie und meist auch die Kulturen der Juden und andererseits die Gesamtheit der Juden. Letztere wird auch Judenheit genannt. Die jüdische Religion ist die älteste der monotheistischen abrahamitischen Religionen. Sie hat eine Geschichte von mehr als 3000 Jahren, in denen sie sich entwickelt hat. Die jüdische Eingottlehre wird als "ethischer Monotheismus" bezeichnet: "Gott ist im Judentum Inbegriff ethischen Wollens." Historisch wird zwischen aschkenasischem, mizrachischem und sephardischem Judent ...

                                               

Buddhismus

Der Buddhismus ist eine der großen Weltreligionen. Im Gegensatz zum Hinduismus und den abrahamitischen Religionen beziehen sich die Glaubenssätze der meisten buddhistischen Lehren auf umfangreiche philosophisch-logische Überlegungen, wie es auch im chinesischen Daoismus und Konfuzianismus der Fall ist. Ebenfalls ist der Buddhismus keine Offenbarungsreligion, bezieht sich also nicht auf eine göttliche Schrift und hat auch keine zentrale Lehrinstanz, die Dogmen festsetzt; die Bezeichnung Buddhismus umfasst ein weites Spektrum an Erscheinungsformen, die von philosophischer Lehre über Klosterw ...

                                               

Christentum

Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging. Ihre Anhänger werden Christen genannt, die Gesamtheit der Christen wird auch als die Christenheit bezeichnet. Von zentraler Bedeutung für das Christentum ist Jesus von Nazaret, ein jüdischer Wanderprediger, der etwa in den Jahren 28–30 n. Chr. auftrat und in Jerusalem hingerichtet wurde. Seine Jünger erkannten in ihm nach seiner Kreuzigung und Auferstehung den Sohn Gottes und den vom Judentum erwarteten Messias. In ihren Bekenntnissen nennen sie ihn Jesus Christus. Der Glaube an ihn ist in den Schriften des Neuen Testa ...

Weltreligion
                                     

ⓘ Weltreligion

Bei der Bezeichnung Weltreligion handelt es sich um einen Begriff, der vielfältige Religionen ein grobes Raster einordnet, die sich beispielsweise durch die hohe Anzahl ihrer Anhänger, die überregionale Verbreitung und/oder ihren universalen Anspruch auszeichnen.

Theologische Reflexion und metaphysische Spekulation gehören zum Wesen einer Weltreligion. Bei den meisten Weltreligionen haben sich im Laufe der Zeit religiöse Institutionen herausgebildet. Zu der Frage, wie viele Anhänger eine Religion haben muss, um als Weltreligion zu gelten, gibt es keinen Konsens. Verschiedentlich wird auch das Alter einer Religion als Kriterium genannt. Demnach werden im 20./21. Jahrhundert entstandene Religionen als "neue religiöse Bewegungen" bezeichnet. Eine klare Definition ist schwer zu leisten. Daher sind Auflistungen der Weltreligionen stets einer gewissen Willkür unterworfen. In der Religionswissenschaft wird die Anwendung des Begriffes vermieden, um Definitionsproblemen zu entgehen.

                                     

1. Weltreligionen

Die folgenden fünf existierenden Religionen werden im Allgemeinen als Weltreligionen bezeichnet Anhänger nach Encyclopædia Britannica 2010:

  • Buddhismus etwa 460 Mio. Anhänger
  • Islam etwa 1.6 Mrd. Anhänger
  • Hinduismus etwa 940 Mio. Anhänger
  • Judentum etwa 15 Mio. Anhänger
  • Christentum etwa 2.3 Mrd. Anhänger

Trotz seines universellen Selbstverständnisses fällt das Judentum zahlenmäßig stark von den anderen hier genannten Weltreligionen ab. Während Christentum und Islam aktive Missionierung betreiben, findet dies im Judentum aus verschiedenen religions- und kulturgeschichtlichen Gründen nicht statt. Zugleich hat der jüdische Glaube aber eine große kulturprägende Bedeutung, da auch Christentum und Islam auf dem abrahamitischen Monotheismus aufbauen. Eine Konversion zur jüdischen Religion Gijur ist jedoch prinzipiell möglich. Auch im Buddhismus und Hinduismus gibt es keine aktive Missionierung. Im Hinduismus ist die Religion an eine enge Sozialstruktur gebunden Kaste. Daher ist der Hinduismus trotz der hohen Anzahl der Gläubigen stark regional gebunden. Die religiöse Institutionalisierung ist im Hinduismus relativ wenig ausgeprägt.

                                     

2. Universalreligionen

Eine ganz enge Auffassung des Begriffes Weltreligion würde nur den Buddhismus, das Christentum und den Islam umfassen, die bisweilen als Universalreligionen bezeichnet werden: Ihr universeller Geltungsanspruch war bereits bei Gründung der Religion präsent, eine weltweite Verbreitung liegt vor, die Anzahl der Anhänger ist sehr hoch und die Religion ist bereits sehr alt.

Aufgrund dieses Anspruchs kann jeder Interessierte einer Universalreligion beitreten. Da keine Verbindung mit Verwandtschaftsstrukturen vorliegt, ist keine Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stamm, Klan oder Volk erforderlich. Die wesentlichen Inhalte dieser Religion sind kanonisiert und liegen als Heilige Schrift vor siehe auch: Buchreligion.

                                     

3. Volksreligionen

Die beiden Weltreligionen Hinduismus und Judentum werden manchmal auch große Volksreligionen genannt. Weitere große Volksreligionen sind beispielsweise der Daoismus bzw. chinesischer Universalismus und Shintoismus. Die Volksreligionen werden auch den ethnischen Religionen zugerechnet, obwohl dieser Begriff zumeist nur für die kleinen lokalen Religionen indigener und traditioneller Gesellschaften verwendet wird. Sie alle sind sehr stark an ein bestimmtes Volk und seine Kultur gebunden. Die Gläubigen werden in diese Religionen hineingeboren; in aller Regel kann man ihnen nicht nachträglich beitreten, und es besteht kein missionierender Anspruch.

                                     

4. Erweitertes Begriffsschema

  • Konfuzianismus etwa 6 Mio. Anhänger
  • Daoismus
  • Bahaitum etwa 7 Mio. Anhänger, weltweite Verbreitung

Viele Wissenschaftler zählen aufgrund seiner großen Bedeutung in China und Korea auch den Daoismus zu den Weltreligionen. Die Einordnung des Konfuzianismus ist insofern umstritten, als der religiöse Konfuzianismus nicht sehr viele Anhänger aufweist. Es wird auch darauf hingewiesen, dass das westliche Verständnis von Religion beim Konfuzianismus der primär eine Sittenlehre ist ohnehin nicht greift. Vereinzelt wird als weitere Universalreligion jene der Bahai aufgeführt. Ohne Zweifel handelt es sich bei den Bahai um eine Religion mit universellem Anspruch, religiösen Institutionen, Heiliger Schrift etc. Lediglich die geringe Anhängerschaft spricht gegen ein Hinzurechnen zu den Weltreligionen. Beim Sikhismus wird der universelle Anspruch in Zweifel gezogen.

Dies zeigt, dass der Begriff "Weltreligion" nicht sehr trennscharf ist und unterschiedlich angewandt wird. In der Religionswissenschaft wird der Begriff Weltreligion aus diesem Grunde immer mehr ersetzt durch Religionen der Welt. Dieser orientiert sich primär an der Anzahl der Anhänger und schließt schriftlose Religionen nicht aus.



                                     

5. Forschungsgeschichte

Der Soziologe Max Weber definiert 1915 fünf Weltreligionen: die konfuzianische, hinduistische, buddhistische, christliche und islamische Ethik. Als sechste Religion komme das Judentum mit hinzu, weil es für das Verständnis der beiden letzten Religionen wichtig sei. Auf den Daoismus geht er ein, jedoch bezeichnet er ihn als Heterodoxie Andersglaube, Häresie zum Konfuzianismus.

Einen wesentlichen Beitrag lieferte der Religionswissenschaftler Gustav Mensching 1901–1978, der 1938 betont, dass in der Frühgeschichte des Menschen die Volksreligionen, die sich auf Familie, Sippe, Stamm oder Volk begrenzen, vorherrschend waren. Erst wenn sie den "Menschen schlechthin und nicht den bestimmten Volksgenossen" ansprechen, werden sie zur Universal- oder Weltreligion. Universalreligionen gehen davon aus, dass sich der Einzelne in einer "generellen und existentiellen Unheilssituation" befindet, aus der er befreit bzw. erlöst werden möchte. Im Gegensatz zu den kollektiv orientierten Frühzeitreligionen sind die Weltreligionen stärker auf das Individuum ausgerichtet. Für Mensching haben fünf Religionen diesen Status erreicht: Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus.

Der Indologe Helmuth von Glasenapp geht 1963 von acht "ethischen Hochreligionen" aus, von denen er fünf als Weltreligion beschreibt, da sie "zusammen neun Zehntel der religiösen Menschheit ausmachen". Den Sikhismus betrachtet er als hinduistische Reformsekte. Unter dem Begriff "chinesischer Universismus" fasst er Konfuzianismus und Daoismus sowie andere relevante Aspekte der chinesischen Religiosität zusammen.

Der Theologe Gerhard Wehr geht 2002 von sieben Weltreligionen aus. Er sieht Weltreligionen als Kontrapunkt zu den sogenannten "Natur- und Stammesreligionen", die keine Trennung zwischen Gott und Welt und keine Häresie Ketzerei kennen. Eine genaue Begründung zur Auswahl der Religionen bringt Wehr nicht.

Der Religionswissenschaftler Manfred Hutter beschreibt 2005 ebenfalls sieben Weltreligionen. Den Konfuzianismus schließt er aus, da die Anhängerzahl des religiösen Konfuzianismus zu gering sei. Den Sikhismus führt er nicht auf, da er den universellen Geltungsanspruch vermisst. Hutter weist darauf hin, dass der Begriff Weltreligion kein religionswissenschaftlicher, sondern ein weitgehend verständlicher Begriff des alltäglichen Sprachgebrauchs ist.