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ⓘ Homosexualität und Religion




Homosexualität und Religion
                                     

ⓘ Homosexualität und Religion

Da nichtorthodoxe Formen des Judentums ein anderes Verständnis religiöser Pflichten haben, wird Homosexualität dort meist akzeptiert oder aktiv willkommen geheißen.

Liberale oder rekonstruktionistische Gemeinden stehen Homosexualität und homosexuellen Menschen positiv gegenüber. Im Zuge einer seit Mitte der 1960er Jahre anhaltenden Entwicklung wurden Lesben und Schwule ab 1990 offiziell zur Rabbinerausbildung zugelassen. Zugleich trat man für die gleichgeschlechtliche Zivilehe ein. Im Jahr 2000 schließlich beschloss die Central Conference of American Rabbis CCAR, dass sie die Entscheidung von Rabbinern, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen, unterstütze. Zwar vermied man in der Resolution den Begriff kidduschin hebräisch: "Hochzeit", doch auf die Frage nach dem Namen des Rituals zur Partnerschaftseingehung antwortete CCAR-Präsident Rabbiner Charles Konloff: "Weddings - kiddushin".

Es gab 2001 auch bereits eine erste Generation lesbischer Rabbinerinnen.

Die Haltung im konservativen Judentum folgte den Liberalen mit gewisser Verzögerung. Die Zulassung lesbischer und schwuler Rabbinerkandidaten erfolgte 2007. Insbesondere in Israel und Europa waren 2009 konservative Rabbiner bei der vollen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen aber noch zurückhaltend.

Eine liberale Gemeinschaft schwuler, lesbischer und bisexueller Jüdinnen und Juden in Deutschland besteht unter dem Namen Yachad hebräisch יחד für gemeinsam. Das Pendant dazu in Israel ist AGUDAH Verband zum Schutze der Rechte des Einzelnen hebr.: אגודה; der Verband.

                                     

1. Andere Religionen

Voodoo

Im Voodoo sind alle sexuellen Orientierungen einschließlich der praktizierten Homosexualität akzeptiert; vergleiche hierzu auch Homosexualität in Haiti und Homosexualität in Benin.

                                     

1.1. Andere Religionen Hinduismus und Vedismus

Das kulturelle Erbe Indiens beruht, auch wenn heutzutage Buddhismus, Islam und Christentum erheblichen Einfluss haben, in weiten Teilen auf den vedischen Sanskrit-Schriften. Die dort gezeichnete reine vedische Gesellschaft akzeptiert das Vorhandensein von Nicht-Heterosexualität ausdrücklich und weist diesem Teil der Bevölkerung besondere Aufgaben und Funktionen innerhalb der Gesellschaft zu. Erst moslemische und christliche Einflüsse, sowie eine generelle Degeneration des Schriften-Verständnisses sichtbar zum Beispiel in der Fehlauslegung der Kasten-Idee, haben zu einer ähnlich homophoben Situation geführt wie in Ländern des Nahen Ostens. Heutzutage beginnt sich die Gesellschaft langsam zu öffnen, in weiten Teilen sind homosexuelle Menschen jedoch mit Partnern des anderen Geschlechts verheiratet und können aufgrund des sozialen Drucks nicht aus diesen Beziehungen ausbrechen. Sie leben deshalb ihre Neigung versteckt und im Heimlichen aus, oder unterdrücken diesen Teil ihrer Persönlichkeit.

Nach kurzer Recherche trifft man im hinduistischen Kulturkreis auf den Begriff des tritiya-prakriti, womit das dritte Geschlecht gemeint ist. Vorschnell werden darunter Eunuchen verstanden, eine kleine, aber sehr auffällige Bevölkerungsgruppe Indiens die Hijras, deren Mitglieder in Frauenkleidern gekleidet zu Anlässen wie Hochzeiten und Kindsgeburten gerufen werden oder auch ungefragt kommen, Segnungen geben und dafür Spenden fordern. Sie sind auch in Zügen anzutreffen, wo sie durch die Abteile gehen und einen Beitrag der Fahrgäste einfordern. An der Situation der Hijras lässt sich der Abstieg der indischen Gesellschaft beobachten, was die Behandlung von Nicht-Heterosexuellen angeht, denn die Eunuchen, die man äußerlich den Transsexuellen und Transvestiten zuordnen kann, wurden früher in Höfen und Palästen angestellt und waren in den Künsten beschäftigt. Ihr gesellschaftliches Ansehen war hoch, ihre Stellung etabliert. Vor allem durch den viktorianischen Einfluss in der Kolonialzeit wurde eine Umdeutung des Begriffes des dritten Geschlechts vorgenommen, indem er auf die kleine Gruppe der Eunuchen eingegrenzt wurde und eine pejorative Bedeutung erhielt. Der Grund dafür war, die natürliche Akzeptanz von Homosexualität der vedischen Kultur zu beenden und diese auch begrifflich aus dem Bereich des gesellschaftlich Anerkannten zu verbannen. Geblieben von der ehemaligen Achtung vor dem Dritten Geschlecht ist die Angst der indischen Bevölkerung vor den Flüchen der Hijras. Da die Mitglieder des Dritten Geschlechts zum nichtreproduktiven Teil den napumsakas der Bevölkerung gehören und deshalb weniger in materielle Tätigkeiten eingebunden sind, wird ihnen eine grundlegende Nähe zu künstlerischen und spirituellen Tätigkeiten nachgesagt. In diesem Sinne werden sie als "halbheilig" betrachtet und es herrscht gesellschaftlicher Konsens darüber, dass ihre Segnungen wirksame Kraft besitzen, genauso wie ihre Flüche jedoch. Sie sind deshalb auch immer noch gern gesehene Gäste bei feierlichen Anlässen, wo sie singen und ihre Segnungen aussprechen. Durch den Abstieg innerhalb der indischen Gesellschaft sind sie allerdings gezwungen, ihre Flüche in öffentlichen Plätzen wie in Zügen anzudrohen, um überhaupt überleben zu können.

Ursprünglich jedoch wurde der Begriff des tritiya prakriti drittes Geschlecht in einer weiten Definition auf alle nichtreproduktiven Gruppen der Bevölkerung angewandt, also auf Bisexuelle, Homosexuelle, Transsexuelle, Intersexuelle und auch Asexuelle. Im Kamasutra ist eine Reihe von Typisierungen und Kategorisierungen der verschiedenen Gruppen des Dritten Geschlechts zu finden, die minutiös die physischen und psychologischen Merkmale der verschiedenen "napumsakas" beschreiben, inklusive einer Verortung in bestimmte Berufsgruppen. Dort lassen sich auch Analysen von Intersexualität finden, welches seit den 1980er Jahren wissenschaftlich untersucht wird.

Was die Homosexualität im Speziellen angeht, so werden sowohl die männlichen Mitglieder dieser Gruppe als auch die weiblichen beschrieben und nach charakterlichen Merkmalen unterschieden. Sie erhalten durch die Erwähnung in den Schriften einen festen Platz innerhalb der Gesellschaft. Zum Beispiel wird das Friseur- und Barbierhandwerk als eine natürliche Beschäftigung für homosexuelle Männer beschrieben, während lesbischen Frauen die savarinis das Recht gegeben wurde, aus dem vorherrschenden Paradigma, dass Frauen unter der Obhut eines Mannes zu leben haben, auszubrechen und sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen durften. In größeren Städten gab es spezielle Viertel, die der Gemeinschaft des Dritten Geschlechts vorbehalten waren, und wo sie wie in einer Art Parallelgesellschaft lebten. Viele Regeln wurde auf sie nicht in der gleichen Weise angewandt wie auf Heterosexuelle; so verurteilt beispielsweise die traditionelle Rechtsgrundlage Indiens, die Manu-Samhita, den Ehebruch bei Heterosexuellen wesentlich strenger, als sexuelle Vergehen im Bereich der Homosexualität. Gurus spirituelle Lehrer und Lehrer im Allgemeinen erkannten die Zugehörigkeit zum Dritten Geschlecht im Laufe der Kindheit und Jugend ihrer Schüler und stellten sich in der Erziehung und Ausbildung darauf ein. Da nach der vedischen Astrologie die Planetenkonstellationen, die für Zugehörigkeit zum Dritten Geschlecht stehen, auch auf spirituelle Fähigkeiten hindeuten, wurden diese Schüler oft als Priester ausgebildet und eingesetzt – vorausgesetzt, sie konnten und wollten im Zölibat leben.

Anzumerken bleibt, dass auch spirituelle Gruppen aus dem Bereich der neuen religiösen Bewegungen, die ab den 1960er und -70er Jahren in Amerika und Europa ihre Verbreitung begannen und indische Spiritualität außerhalb des indischen Subkontinents, teilweise losgelöst von dort herrschenden kulturellen Traditionen wie dem Kasten-System, präsentieren, sich nicht oder nur sehr schwer von homophoben Ansichten trennen können. Die Ironie liegt dabei in der Tatsache, dass sie sich in einigen Fällen auf die Weisheit der vedischen Schriften berufen, jedoch im Bereich der Homosexualität genau die Vorurteile weiter verbreiten, die durch christliche und fremde Einflüsse die ursprüngliche Toleranz und Akzeptanz jeglicher sexueller Orientierung der Veden verdrängt haben. Festzuhalten bleibt jedoch auch, dass in den hinduistischen spirituellen Wegen im Allgemeinen jegliche sexuelle Aktivität als ein materieller Wunsch angesehen wird, den es durch spirituelle Reinheit zu ersetzen gilt. Promiskuität und die Zurschaustellung von Sexualität, wie es heutzutage im westlichen Kulturkreis geschieht, war und ist im Falle jeglicher sexuellen Orientierung im Allgemeinen verpönt.

                                     

1.2. Andere Religionen Indigene und indianische Kulturen

In indigenen und indianischen Kulturen existiert das Konzept "Homosexualität" nicht. Homosexuelle Riten waren in manchen Richtungen des Schamanismus üblich; in Papua-Neuguinea gibt es Stämme, bei denen Übereinkünfte durch homosexuelle Handlungen bekräftigt werden. Die beteiligten Männer führten jedoch im Alltag heterosexuelle Ehen. Die vielen Stammeskulturen der Papua unterscheiden sich jedoch stark voneinander, andere Stämme kennen andere Riten ohne homosexuelle Komponenten.

Bei manchen nordamerikanischen Indianer-Stämmen sind Homosexuelle als "Two-Spirits" bekannt und waren vor der Beeinflussung durch europäische Missionare in den Gemeinschaften anerkannt. Allerdings ging ihr indigener Glaube von einer strengen geschlechtlichen Polarität der Welt aus, so dass Homosexuelle ihre Geschlechtsrolle vollständig zu wechseln hatten, also Schwule in Frauenkleidern als Frauen, und Lesben in Männerkleidung als Männer zu leben hatten. Auch zwischen den verschiedenen Indianerstämmen sind die kulturellen Unterschiede aber erheblich und waren vor Ankunft der Weißen noch größer als heute, so dass eine allgemeine Aussage nicht möglich ist.

In Afrika zeugen noch zahlreiche Begriffe, die Homosexualität/Homosexuelle bezeichnen, von einer einstmals reichen gleichgeschlechtlichen Tradition. Heute überwiegt jedoch klar die Ablehnung.



                                     

1.3. Andere Religionen Voodoo

Im Voodoo sind alle sexuellen Orientierungen einschließlich der praktizierten Homosexualität akzeptiert; vergleiche hierzu auch Homosexualität in Haiti und Homosexualität in Benin.

                                     

2. Statistik: Akzeptanz unter Glaubensrichtungen in den USA

Die gestellte Frage lautete: "Welche Aussage entspricht am ehesten ihrer persönlichen Sichtweise?"

Die Ergebnisse in Prozent geben nicht die Einstellung der religiösen Führer/Vordenker wieder, sondern jene der individuellen Gläubigen. Die Daten entstammen einer Studie des Pew Forums on Religion and Public Life. In der U.S. Religious Landscape Survey wurden 35.556 zufällig ausgewählte Erwachsene per Telefoninterview zwischen 8. Mai und 13. August 2007 in Englisch und Spanisch befragt. Daten von weiteren 1.050 Personen stammen aus einer zwischen 24. Januar und 30. April 2007 durchgeführten Umfrage des Pew Research Center bei erwachsenen amerikanischen Muslimen in den Sprachen Arabisch, Farsi und Urdu.