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ⓘ Fechten




                                               

Fechten bei den Olympischen Spielen

In Athen 1896 standen drei Wettbewerbe auf dem Programm: Säbel, Florett sowie Florett für Fechtmeister. Degenfechten kam in Paris 1900, Mannschaftsfechten in Antwerpen 1920 dazu. 1924 in Paris fochten die Frauen erstmals um Gold im Damen-Florett. 1960 in Rom kamen die Mannschaft, in Atlanta 1996 Degen, in Athen 2004 Säbel dazu. Auf Beschluss des Weltfechtverbandes FIE wurden 2008 die Mannschaftswettbewerbe im Herren-Florett und Damen-Degen nicht ausgetragen. 2012 haben die Mannschaften im Herrendegen und Damensäbel pausiert. Die Zulassung der Fechtmeister zu den ersten drei Olympischen Spi ...

                                               

Europaspiele 2015/Fechten

Bei den Europaspielen 2015 in Baku, Aserbaidschan wurden vom 22. bis 27. Juni 2015 insgesamt zwölf Wettbewerbe im Fechten ausgetragen. Dabei finden jeweils sechs Konkurrenzen bei den Frauen und bei den Männern statt.

Fechten
                                     

ⓘ Fechten

Fechten ist in erster Linie eine Kampfsportart. Vor ihrer Etablierung als Sportart war die Austragungsform als Duell weit verbreitet. Die historischen Ursprünge dieser Kampftechnik gehen auf die Verfeinerung der Waffen und der Bewegungsabläufe gegenüber Schwert- und Säbelkämpfen zurück.

Heute wird mit Fechten überwiegend das Sportfechten bezeichnet; gefochten wird mit Florett, Degen und leichtem Säbel. Offizielle Wettkampfsprache beim Fechten französisch Escrime ist Französisch. Anders als beim modernen Sportfechten bezeichnet historisches Fechten frühere Stile, wie die der Renaissance und des Mittelalters. Dabei wird versucht, diese Stile möglichst originalgetreu nachzustellen.

                                     

1. Geschichte des Fechtens

Fechten gehört neben Boxen und Ringen zu den ersten Wettbewerben der Menschheit. Eine Art sportlichen Fechtens betrieb man schon in der Antike im alten Griechenland und im römischen Reich und in Afrika. Ursprünglich war das Fechten ein bewaffneter Kampf zweier Personen, bei dem Blankwaffen mit langer Klinge sowie Handschutz verwendet wurden. Diese wurden so geführt, dass Angriffe des Gegners abgefangen werden konnten. Mit der Entwicklung effizienter Handfeuerwaffen verloren Blankwaffen ab dem 17. Jahrhundert weitgehend ihre militärische Bedeutung. Das Schwert wurde nur noch gegen zivile Kontrahenten, in Duellen oder zur Selbstverteidigung gegen leicht bzw. ungepanzerte Gegner verwendet und wurde daher vom Gewicht leichter und in der Führung schneller. Von Italien und Spanien ausgehend, erlebte in dieser Zeit das Rapierfechten seine Blüte, welches im 18. Jahrhundert durch noch leichtere Formen wie das Degenfechten abgelöst wurde.

Die europäische Duellkultur geht zurück auf das Spätmittelalter, als auch das Bürgertum seinen ersten Aufschwung erlebte. Da zu dieser Zeit sowohl das Tragen einer Waffe als auch Recht und Pflicht des Ehrenhandels Duell Privileg des freien adeligen Mannes waren, strebten die freien Bürger nach diesen Rechten, um sich dem Adel zu emanzipieren. So entstanden die ersten Fechterbünde, wie z. B. die "Veitsfechter" zu Prag, die ihre Bundeskonvente im Veitsdom in Prag feierten. Das Wort "Veiterfechter" formte sich übrigens zum Begriff "Federfechter" um, der in späterer Zeit als Hinweis auf die Leichtigkeit der modernen Fechtwaffen missverstanden wurde. Gleichzeitig verloren im soldatischen Bereich wegen der Verbreitung und einfacheren Handhabung der Feuerwaffen viele militärische Fechtlehrer Sold und Brot und suchten sich neue Betätigungsfelder als Lehrer bürgerlicher Fechter, jedoch auch als Lohnfechter in Ehrenhändeln. Dabei zogen sie durch die Städte, klopften an die Portale gutbürgerlicher Häuser und Palais und fragten an, ob ein Fechtmeister gebraucht werde: "sie gingen fechten", um sich ernähren zu können. Auch dieser Ausdruck wird heute noch verwendet, jedoch für direkte Haustürenbettelei. Auch gab es seit dem Mittelalter Versuche, sowohl von der Kirche als auch vom Gesetzgeber, Duelle zu verhindern oder unter Strafe zu stellen. Das deutsche Reichsstrafgesetzbuch von 1871 verbot jegliche Art von Zweikampf mit tödlichen Waffen. Trotzdem blieb der gesellschaftliche Zwang zum Ehrenhandel bis nach dem Ersten Weltkrieg weit verbreitet, allerdings wurden Duelle außerhalb der Studentenschaft und der Kavallerie Säbel seit dem späten 18. Jahrhundert meist mit Faustfeuerwaffen statt mit Blankwaffen ausgefochten.

Um 1570 prägte der Franzose Henri Saint Didier die meisten Fechtausdrücke, die auch heute noch verwendet werden. In Deutschland wurde das Fechten vor allem an den Universitäten betrieben, speziell in seiner studentisch vereinfachten Form der Mensur. Eine Förderung erfuhr das Fechten erst wieder durch die Turnerbewegung im 19. Jahrhundert. 1862 entstand der erste deutsche Fechtklub in Hannover Fechtklub Hannover von 1862, 1896 fanden die ersten deutschen Meisterschaften statt.

Die im Wettkampf des heutigen Sportfechtens zum Einsatz kommenden Waffen sind Florett, Degen und leichter Säbel im Gegensatz zum 1955 im Sportbereich suspendierten "schweren" Säbel, der nur auf Hieb gefochten wurde. Florett und Degen sind reine Stich-, der Säbel ist eine Hieb- und Stichwaffe. Gefochten wird auf der Fechtbahn, die etwa 14 m lang und 1.50–2 m breit ist. Demzufolge ist dieser Sport hauptsächlich durch Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen geprägt. Seitwärtsbewegungen sind eingeschränkt und nur auf der Planche selbst erlaubt.

                                     

2. Fechten als olympische Disziplin

Fechten zählt zu den Gründungssportarten von Athen 1896. In Athen standen drei Wettbewerbe auf dem Programm: Säbel, Florett sowie Florett für Fechtmeister. Degenfechten kam in Paris 1900, Mannschaftsfechten in Antwerpen 1920 dazu. 1920 fochten die Frauen in Antwerpen erstmals um Gold im Damen-Florett. In Rom kam die Mannschaft, in Atlanta Degen, in Athen 2004 Säbel dazu. Da die Anzahl der Fechtwettbewerbe bei den Olympischen Spielen auf zehn beschränkt blieb, mussten ab 2004 jeweils zwei der sechs Mannschaftswettbewerbe pausieren. Auf Beschluss des Weltfechtverbandes FIE wurden daher 2004 die Mannschaftswettbewerbe im Damenflorett und Damensäbel nicht ausgetragen. 2008 mussten die Mannschaften im Herrenflorett und Damendegen pausieren und 2012 im Herrendegen und Damensäbel. 2016 pausierten das Damenflorett- und das Herrensäbelteam. Ab den Olympischen Spielen 2020 in Tokio werden keine Mannschaftswettbewerbe mehr pausieren müssen, es werden also alle 12 Disziplinen vertreten sein.

Darüber hinaus bildet das Degenfechten eine von fünf Disziplinen des Modernen Fünfkampfs, das als olympischer Wettbewerb neu konzipiert und erstmals während der Sommerspiele 1912 in Stockholm ausgetragen wurde. Zum einmalig bei den Olympischen Winterspielen 1948 als Demonstrationswettbewerb ausgetragenen Winter-Fünfkampf gehörte das Degenfechten ebenfalls dazu.

                                     

3.1. Rollstuhlfechten Geschichte

Fechten im Rollstuhl wurde vom Begründer der paralympischen Begegnung Ludwig Guttmann als sportliche Rehabilitationsmaßnahme entwickelt. Rollstuhlfechten wurde schon 1960 bei den ersten offiziellen Paralympischen Spielen damals noch "Weltspiele der Gelähmten" in Rom ausgeübt und zählt damit zu den ältesten paralympischen Sportarten. Guttmann, der 1933 aus Deutschland aufgrund seiner jüdischen Abstammung fliehen musste, war Direktor des National Spinal Injuries Centre im Stoke Mandeville Hospital in Aylesbury.

In Deutschland wurde das Rollstuhlfechten durch den ehemaligen Direktor des Berufsförderungswerkes Wildbad Walter Weiß vorangetrieben. Zunächst wurde unter Fechtmeister Richard Heimke mit zwölf Teilnehmern das Säbelfechten trainiert. Im Jahre 1964 kamen Degen und Florett dazu. Seit 1985 wird das Fechten innerhalb des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes DRS auch von Damen betrieben.

                                     

3.2. Rollstuhlfechten Klassifizierungen

Am Rollstuhlfechten dürfen alle Personen teilnehmen, die durch eine dauerhafte Einschränkung Nachteile beim nichtbehinderten Fechten haben, also nicht ausschließlich Rollstuhlfahrer, sondern beispielsweise auch Amputierte oder Personen mit einer Knieversteifung.

Die Einteilung erfolgt beim Rollstuhlfechten in drei Kategorien:

  • B: Fechter der Klasse B besitzen keine vollständige Rücken- und Bauchmuskulatur mehr, haben aber keine Einschränkungen im Bereich Arme und Hände.
  • A: Fechter der Klasse A besitzen eine noch vollständig intakte Rücken- und Bauchmuskulatur. Meist sind sie noch in der Lage auf den Beinen zu stehen oder sogar zu laufen.
  • C: Fechter der Klasse C besitzen keine vollständige Rücken- und Bauchmuskulatur mehr, weisen darüber hinaus auch keine vollständige Funktion von Armen und Händen auf.

Die Einstufung ist nicht immer leicht vorzunehmen. Zur Einstufung wurde von einer Klassifizierungskommission ein Verfahren entwickelt, anhand dessen durch fechtspezifische Funktionstests die Einteilung vorgenommen wird.



                                     

3.3. Rollstuhlfechten Regeln

Die Rollstuhlfechter bewegen sich nicht – wie allgemein häufig angenommen – mit dem Rollstuhl über die Fechtbahn, sondern die Rollstühle werden in einem Gestell fixiert, so dass sie während der Gefechte nicht umkippen können. Das Gestell besteht aus Schienen bzw. Plattformen, in bzw. auf denen die Fechter fahren. Der Abstand zwischen den Fechtern wird aufgrund der Armlänge bestimmt. Die Regeln des Rollstuhlfechtens entsprechen größtenteils denen des Fechtens Nichtbehinderter FIE-Regeln. Es wird mit Florett, Degen und Säbel gefochten.

                                     

4.1. Waffengattungen Florett

Der Begriff Florett kommt von französisch "fleur" Blume, nach der Form des Spitzenschutzes, der auf der Spitze der Waffe aufgesetzt ist. Diese Spitze wird mit einer waagrechten Bewegungskomponente in Richtung Rumpf oder Kopf des stehenden Gegners gestoßen. Ein Metallgriff verschiedener Ausformung siehe unten, beschichtet oder textil umwickelt, wird vorne durch eine flache, kugelkappenförmige Glocke Handschutz mit einem Durchmesser von 9.5 bis 12 cm abgeschlossen.

Nach vorne erstreckt sich eine maximal 90 cm lange Klinge aus federndem Stahl. Sie hat quer-rechteckigen Querschnitt und verjüngt sich nach vorne deutlich. Laut Reglement darf die Klinge bis zu einem Zentimeter nach unten gebogen werden, sodass sie sich beim Anstoßen dort federnd nach oben aufwölbt und so die Anstoßkraft begrenzt. Fachsprachlich wird die Klinge vom Griff bis zur Spitze in Klingenstärke, -mitte und -schwäche unterteilt.

Die Klinge des elektrischen Floretts E-Florett verfügt über eine axial verschieblich und federnd gelagerte Spitze – eine Kuppe mit etwa 8 mm Durchmesser – in einer Spitzenhülse, die bei einem Stoß mit einer Kraft, die einem Gewicht von mehr als 500 g entspricht also etwa 4.9 Newton, eine Trefferanzeige auslöst. Dieser Kuppenstift verschiebt sich dabei um wenige Millimeter und betätigt einen Schaltkontakt. Die 2-polige elektrische Leitung verläuft in einer Rille an der Unterseite der Klinge, durch die Glocke und wird über eine Steckverbindung im Bereich des Handrückens mit einer Leitung verbunden, die durch den Ärmel der Jacke zum Rücken läuft. Zusammen mit einem Kontakt zur Trefferfläche am Rumpf wird hier eine Steckverbindung zu jenem Kabel hergestellt, das, auf einer kleinen Trommel per Federkraft aufgerollt, so über der Bahn nach hinten gespannt wird und dem Fechter weitestgehende Bewegungsfreiheit lässt. Nur eine Drehung um die Hochachse ist ihm verwehrt. Vor allem bei bedeutenden internationalen Turnieren wie den Olympischen Spielen wird inzwischen kabellos gefochten. Die Kabelverbindung zwischen Fechter und Melder entfällt dadurch.

Trefferfläche ist der Rumpf inklusive des Bereichs des Schritts. Mit der Wettkampfsaison 2009/2010 wurde der unter Teil des Latzes der Maske ebenfalls als Trefferfläche eingeführt. Wie beim Säbel gilt anders als beim Degen das Angriffsrecht. Mit Einführung der Coupés Ende des 20. Jahrhunderts und der Kürzung der elektronischen Anzeigezeit wurde das Florettfechten athletischer.

Den Florettgriff gibt es in drei verschiedene Arten:

  • "französisch" ein leicht nach innen gebogener Stab
  • "Pistolengriff" auch "belgischer" oder "orthopädischer" Griff orthopädisch, handangepasst
  • "italienisch" ein gerader Stab mit Parierstange, Quart- und Terzbügel

Meist wird heutzutage mit einem belgischen, seltener mit einem französischen Griff gefochten. Der italienische Griff ist im heutigen Fechten fast nicht mehr zu finden.



                                     

4.2. Waffengattungen Degen

Der Degen war die zum Duell verwendete Waffe. Er hat eine größere, eher halbkugelförmige Glocke mit 13.5 cm Durchmesser sowie eine stärkere, im Querschnitt V-förmige Klinge. Ein "großer" Degen ist nach Richtlinien 110 cm lang, ein "kleiner" Degen Kinderdegen nach den Richtlinien 90 cm. Trefferfläche ist der gesamte Körper. Zur elektrischen Trefferanzeige ausgerüstete Degen besitzen eine federnd gelagerte Spitze in einer Spitzenhülse, sie löst bei einem Stoß mit einer Kraft von mehr als 750 g etwa 7.36 N einen Treffer aus.

Für den Griff eines Degens gibt es folgende zwei verschiedene Arten:

  • "französisch" ein langer glatter Stab
  • "Pistolengriff" auch "belgischer" oder "orthopädischer" Griff orthopädisch, handangepasst
                                     

4.3. Waffengattungen Säbel

Der Säbel besitzt eine flache, biegsame Klinge. Die Klinge besitzt einen annähernd rechteckigen Querschnitt und eine maximale Gesamtlänge von 88 cm. Die Klinge wird zur Spitze hin schmaler. Trefferfläche ist der gesamte Rumpf inklusive Kopf und Arme. Ferner zählen auch Hiebe als Treffer. Das Säbelfechten ist in der Regel schneller als das Florettfechten. Wie beim Florett gibt es ein Angriffsrecht. Die Säbelglocke ist anders geschnitten und halbkugelförmig um die Hand gezogen.

                                     

5.1. Aktionen und Technik Fechtstellung

Die Fechtstellung ist Ausgangsposition für Bewegungen auf der Fechtbahn, Stellung der Füße, Lage des Körperschwerpunktes sowie Drehung der Schulter und des Beckens. Dabei stehen die Füße zueinander in rechtem Winkel, wobei sich die Fußspitzen in etwa unterhalb der Knie befinden sollten und der Abstand zwischen den Fersen 1.5–2 Fußlängen beträgt. Der Oberarm auf der Waffenseite ist leicht vom Körper abgewinkelt, während der Unterarm parallel zum Boden steht. Die Knie sind etwas gebeugt, im Florettfechten etwas tiefer als in den anderen Waffen. Den Abstand zum gegnerischen Fechter bezeichnet man als Mensur.

                                     

5.2. Aktionen und Technik Aktionen

Aktionen sind unter anderem:

Beinaktionen

  • Radoppio Ausfall mit darauffolgendem Heranziehen des hinteren Beines zum erneuten Ausfall zur Verlängerung des Angriffs
  • Ballestra Sprung mit folgendem Ausfall
  • Ausfall, Annäherung an den Gegner, durch Vorsetzen des vorderen Beines bei Streckung des hinteren Beines
  • Patinando Schritt vorwärts mit folgendem Ausfall
  • Kreuzschritt vorwärts und rückwärts im Säbel nicht zugelassen
  • Schritt vorwärts und rückwärts, Doppelschritt vorwärts und rückwärts, Sprung
  • Flèche französisch: "Pfeil", "Geschoss" – Sturzangriff, bei dem das hintere Bein mit Schwung noch vorne gebracht wird und der Angreifer auf den Gegner zurennt/fliegt. im Säbel nicht zugelassen

Klingenaktionen

  • gerader Stoß
  • Sforza Schleuderfilo, katapultiert die Klinge aus der Hand des Gegners heutzutage nicht mehr gestattet
  • Ligade Streichfinte
  • Arretstoß Zwischenstoß in einen gegnerischen Angriff hinein
  • Battuta Klingenschlag, wodurch diese aus ihrer bedrohenden Richtung entfernt werden oder die durch den Gegner dargebotene Blöße freie Trefffläche vergrößert werden soll oder auch eine Reflexbewegung des Gegners beabsichtigt wird)
  • Konterparade mit Konterriposte eine Riposte wird pariert, und es folgt wiederum ein Gegenstoß
  • Cavation kreisförmige Umgehung der gegnerischen Klinge
  • Filo Angriff entlang der gegnerischen Klinge, diese gleichzeitig bindend
  • Transportbindung
  • Parade mit Riposte Verteidigung mit unmittelbar folgendem Gegenstoß
  • Bindung Fixieren der gegnerischen Klinge durch die eigene
  • Finte Scheinangriff, um den Gegner zu einer übereilten falschen Parade zu bewegen
  • Sperrstoß Angriffstoß bei gleichzeitiger Bindung der gegnerischen Klinge
  • Coupé plötzliches Zurückziehen der eigenen Klinge in die Vertikale und fallender Stoß in einer zum Gegner deutlich geringeren Mensur
  • Bingo

Die Zeitdauer zur Ausführung einer einfachen Bein- oder Klingenaktion zum Beispiel ein einfacher Schritt vorwärts oder ein gerader Stoß wird als Tempo oder Fechttempo bezeichnet. Als zusammengesetzte Aktionen werden demgegenüber Aktionen bezeichnet, die mehr als ein Tempo benötigen zum Beispiel Schritt vorwärts und Ausfall.



                                     

6. Schutzkleidung

Die Fechtkleidung besteht häufig aus Dyneema, Baumwolle und/oder Nylon die Zahlen in den Klammern geben an, welche Kraft in Newton pro Quadratzentimeter eines speziellen Prüfgegenstandes das entsprechende Teil ab der B-Jugend mindestens aushalten muss:

  • Unterziehweste Plastron aus Aramid 800 N
  • optional Tiefschutz Suspensorium
  • Jacke mit Fixierung/Klingenfangschutz 800 N
  • Handschuh mit Polsterung nur für Waffenarm
  • Kniestrümpfe
  • Hose 800 N
  • Brustschutz für Frauen verpflichtend
  • Fechtmaske mit Drahtgitter aus V4A-Stahl 3000 N und Halsschutz 1600 N
  • Schuhe
                                     

7. Fechtbahn

Die Fechtbahn internationale Bezeichnung: Piste, aber umgangssprachlich auch in Deutschland Planche genannt ist 14 m lang und 1.50–2 m breit. Sie ist aus einem leitenden Material hergestellt, welches verhindert, dass die elektrische Trefferanzeige Stöße auf den Boden als Treffer anzeigt. Üblich sind Bahnen aus einer Kupferlegierung, modernere Fechtbahnen bestehen aus dem leichteren Aluminium oder einem Gummigewebe mit leitender Oberfläche. In Trainingshallen werden teilweise auch Metallplatten direkt im Boden installiert.

Markierungen auf der Fechtbahn:

  • die jeweils letzten 2 m vor den hinteren Grenzlinien sind farblich markiert.
  • Zwei Startlinien jeweils 2 m von der Mittellinie entfernt
  • Zwei hintere Grenzlinien jeweils 7 m von der Mittellinie entfernt
  • Mittellinie
                                     

8. Elektronische Trefferanzeige

Die elektrische Trefferanzeige wurde 1936 beim Wettkampf mit Degen, mit Florett 1957 und mit Säbel 1988 eingeführt. Beim Florett und beim Säbel müssen Fechter hierfür spezielle elektronische Ausrüstungen tragen, um gültige Treffer angezeigt zu bekommen.

                                     

8.1. Elektronische Trefferanzeige Florett

Im Florett ist die Waffe durch zwei Leitungen mit dem Meldegerät verbunden, dabei ist eine Leitung mit der Klinge verbunden und die zweite mit einer isolierten Litze in einer Nut der Klinge. Zusätzlich befindet sich an der Klingenspitze ein Taster, der im Ruhezustand Litze und Klinge verbindet und damit einen Stromkreis schließt. Der Taster öffnet sich durch einen Druck, der einer Masse von mindestens 500 g entspricht etwa 4.9 Newton und unterbricht diesen Stromkreis.

  • Liegen Treffer der beiden Fechter nicht mehr als 300 ms auseinander, wird ein gleichzeitiger Treffer angezeigt, bei einem größeren zeitlichen Abstand wird der Melder für den zweiten Treffer blockiert und damit nur der erste Treffer gewertet.
  • Solange der Stromkreis zwischen Litze und Klinge geschlossen bleibt, wird kein Treffer angezeigt.
  • Liegt ein Treffer innerhalb der Trefferfläche, trennt der Taster ebenfalls die Verbindung zwischen Litze und Klinge. Allerdings hat die Klingenspitze Kontakt zur gegnerischen E-Weste, damit wird ein neuer Stromkreis über die E-Weste des Gegners geschlossen und der Treffer als gültig angezeigt.
  • Bei einem Treffer außerhalb der erlaubten Trefferfläche d. h. Rumpf inklusive Schrittbereich unterbricht der Taster an der Spitze nur den Stromkreis, der Treffer wird als ungültig angezeigt.
  • Um einen Treffer auszulösen, muss der Stromkreis für mindestens 14±1 ms unterbrochen werden, ansonsten wird dieser vom Meldegerät ignoriert.
                                     

8.2. Elektronische Trefferanzeige Degen

Im Degen befinden sich zwei isolierte Litzen in einer Nut der Klinge. An der Klingenspitze befindet sich ebenfalls ein Taster, dieser ist im Unterschied zum Florett jedoch im Ruhezustand geöffnet und der Stromkreis damit unterbrochen. Da jede Stelle des Körpers zur Trefferfläche gehört, ist keine E-Weste zur Unterscheidung von gültigen und ungültigen Treffern notwendig. Es wird jedoch eine dritte Leitung benutzt, um zu verhindern, dass Treffer auf die Glocke der gegnerischen Waffe oder auf die Fechtbahn einen Treffer auslösen.

  • Ein Stoß mit mindestens 750 g Druck schließt den Taster und damit den Stromkreis, es wird ein Treffer angezeigt.
  • Liegen zwei Treffer nicht mehr als 40–50 ms auseinander, zeigt der Melder einen Doppeltreffer an. Bei weniger als 40 ms muss ein Doppeltreffer angezeigt werden, bei mehr als 50 ms ein Einzeltreffer. Dementsprechend beträgt die Toleranz der elektrischen Meldeanlagen 10 ms.
                                     

8.3. Elektronische Trefferanzeige Säbel

Beim Säbel werden auch Hiebe und nicht nur Stöße als Treffer gewertet, daher ist kein Taster in der Klingenspitze nötig.

  • Ungültige Treffer werden im Säbelfechten nicht angezeigt.
  • Eine Berührung der Säbelklinge mit gegnerischer E-Weste, E-Maske oder E-Handschuh schließt einen Stromkreis und zeigt damit einen gültigen Treffer an.
  • Ein Doppeltreffer wird nur angezeigt, wenn beide Treffer innerhalb einer Zeitspanne von 120 ms erfolgen.
                                     

9.1. Fechtturnier: Regeln Generelles

Auf Turnieren werden Setzrunden gefochten, auf die eine Direktausscheidung folgt. Dabei werden die Teilnehmer zunächst in Runden aufgeteilt, wobei auf Meisterschaften etc. direkt Qualifizierte später dazustoßen können.

                                     

9.2. Fechtturnier: Regeln Altersklassen

Die Wettkämpfe werden in verschiedenen Altersklassen ausgetragen. Die Altersklassen des Deutschen Fechter-Bundes wurden 2019 festgelegt:

  • Veteranen – ab 40 Jahren
  • U15 – unter 15-Jährige bis U20 startberechtigt
  • U13 – 12- bis 13-Jährige auch bei U15 startberechtigt
  • U17 / Kadetten – unter 17-Jährige
  • U20 / Junioren – unter 20-Jährige
  • Senioren Allgemeine Klasse allgemeine Altersklasse
  • U11 – unter 11-Jährige nur in eigener Altersklasse startberechtigt
  • U23 – unter 23-Jährige Sonderwertung der Seniorenklasse

Jüngere Fechter dürfen in Sonderwertungen U9 fechten, jedoch keine Meisterschaften austragen. Die Altersklassen der unter 17-Jährigen war vor 2019 weniger fein unterteilt. Ebenfalls wurden die Veteranen zuvor als "Senioren" bezeichnet, die jetzigen Senioren hießen "Aktive". Damit wurde die Bezeichnung internationalen Standards angepasst französisch: sénior und vétéran bzw. englisch: senior und veteran. Unterhalb der Kadetten U17 gibt es keine international einheitlichen Altersklassen.

Auf vielen Turnieren wird die Veteranen-Altersklasse weiter aufgeteilt:

  • Altersklasse 2 – 50- bis 59-Jährige
  • Altersklasse 3 – 60- bis 69-Jährige
  • Altersklasse 4 – 70-Jährige und älter
  • Altersklasse 1 – 40- bis 49-Jährige
  • "Sonderklasse" – 30- bis 39-Jährige keine offizielle Klasse, manchmal aber auf Turnieren ausgeschrieben
  • Altersklasse 0 – 35- bis 39-Jährige

Neben den offiziellen Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen werden Jugendweltmeisterschaften für die U17 internationale Bezeichnung "Cadet", deutsch: Kadetten und die U20 "Junior" ausgetragen. Des Weiteren gibt es spezielle Meisterschaften für Senioren "Veterans" und die U23.

                                     

9.3. Fechtturnier: Regeln Einzel

Ein Gefecht dauert in den Vor- und Zwischenrunden maximal drei Minuten reine Kampfzeit. In Direktausscheidungen bis zu drei Mal drei Minuten mit jeweils einer Minute Pause. Gefochten wird auf fünf, in Direktausscheidungen auf bis zu 15 Treffer. Bei Gleichstand nach Ablauf der Zeit wird Vorteil ausgelost, dann max. eine Minute bis zum "entscheidenden" Treffer weitergefochten Sudden Death; fällt kein Treffer, so gewinnt der Fechter, der den Vorteil hat. Im Degen werden eventuelle Doppeltreffer, die während der zusätzlichen Minute Kampfzeit fallen, nicht gewertet.

                                     

9.4. Fechtturnier: Regeln Mannschaftskampf

Eine Mannschaft besteht aus drei Fechtern plus einem Ersatzfechter, der im Verlaufe des Mannschaftskampfes eingewechselt werden kann. Jeder Fechter einer Mannschaft ficht gegen jeden Fechter der gegnerischen Mannschaft, so dass ein Mannschaftskampf aus neun Einzelgefechten besteht, die jeweils maximal drei Minuten dauern. Die Reihenfolge ist im Reglement festgelegt. Mannschaftskämpfe werden im Stafettenmodus ausgetragen, das heißt die Fechter übernehmen den Trefferstand aus dem vorherigen Gefecht. Im ersten Gefecht wird auf fünf Treffer gefochten, im zweiten auf zehn usw. Im letzten Gefecht wird dementsprechend gefochten, bis eine Mannschaft 45 Treffer erreicht oder die drei Minuten abgelaufen sind. Bei Gleichstand wird wie im Einzelgefecht verfahren.

                                     

9.5. Fechtturnier: Regeln Angriffsrecht

Bei Florett und Säbel gilt das Angriffsrecht Konvention. Das bedeutet, dass derjenige den Treffer zugezählt erhält, der den Angriff begonnen hat Initiative. Bei Unterbrechung/Parade des Angriffs wechselt das Angriffsrecht. Im Degen gilt keine Konvention, es werden sogar Doppeltreffer gegenseitige Treffer gewertet, sofern der Gegner seinen "Tempo – commune" Treffer innerhalb einer fünfundzwanzigstel bis zwanzigstel Sekunde 40–50 ms setzt.

                                     

9.6. Fechtturnier: Regeln Regelverstöße und Bestrafungen

Beim Fechten gibt es drei Sanktionsmaßnahmen, welche vom Obmann gegen einen Fechter mittels farbiger Signalkarten ausgesprochen werden, wenn dieser gegen eine Regel verstoßen hat. Folgende Sanktionen kommen beim Fechten zur Anwendung:

  • Der Straftreffer: Beim Straftreffer bekommt der Gegner einen Trefferpunkt. Ein Straftreffer wird vom Obmann durch Zeigen der Roten Karte ausgesprochen.
  • Die Disqualifikation. Die Disqualifikation ist beim Fechten die höchste Bestrafung, da der schuldige Fechter aus dem Wettkampf und dem Turnier ausgeschlossen wird und eine Sperre von mindestens zwei Monaten in der laufenden oder darauffolgenden Saison erhält. In den Wettkampfaufzeichnungen wird der Name des Fechters durch "FECHTER AUSGESCHLOSSEN" ersetzt. Der Gegner hat dadurch automatisch gewonnen. Eine Disqualifikation wird vom Obmann durch Zeigen der Schwarzen Karte ausgesprochen.
  • Die Verwarnung: Eine Verwarnung ist während des Gefechtes gültig. Eine Verwarnung wird vom Obmann durch Zeigen der Gelben Karte ausgesprochen.

Neben der Bestrafung kann dem schuldigen Fechter bei einigen Vergehen der Treffer annulliert werden. Die Annullierung ist aber keine Sanktion.

Die Regelverstöße werden in vier Gruppen eingeteilt. Je höher die Gruppe, umso schwerer sind die Vergehen und umso schärfer werden sie geahndet.

                                     

9.7. Fechtturnier: Regeln Vergehen der Gruppe 1

Ein geringfügiger Verstoß des schuldigen Fechters gegen die Regeln wird in die 1. Gruppe des Sanktionskatalogs einsortiert. Dabei handelt es sich in der Regel um technische Vergehen. Der 1. Verstoß in dieser Gruppe bedeutet für den schuldigen Fechter eine Verwarnung. Begeht der schuldige Fechter weitere Verstöße in dieser Gruppe, wird er mit einem Straftreffer bestraft.

Hat der Fechter bereits eine Rote Karte wegen eines Verstoßes aus der 2. oder 3. Gruppe erhalten, so muss er auch hier trotz 1. Verstoß die Rote Karte sehen und einen Straftreffer kassieren.

                                     

9.8. Fechtturnier: Regeln Vergehen der Gruppe 2

Absichtliche Verstöße des schuldigen Fechters gegen die Regeln, welche aber noch nicht als schwerwiegend angesehen werden, werden in die 2. Gruppe des Verstoßkatalogs einsortiert. Jeder Verstoß des Fechters in dieser Gruppe wird mit einem Straftreffer für den Gegner bestraft.

                                     

9.9. Fechtturnier: Regeln Vergehen der Gruppe 3

Schwerwiegende Verstöße von Fechtern oder außenstehenden Personen gegen die Fechtregeln werden in die 3. Gruppe des Verstoßkatalogs einsortiert. Genauso wie in Gruppe 2 wird beim ersten Vergehen sofort ein Straftreffer gegen den Fechter verhängt. Der schuldige Fechter sollte dabei aufpassen, dass er kein weiteres Vergehen dieser Gruppe begeht, da er dann ansonsten vom Obmann disqualifiziert wird. Eine Disqualifikation wegen Vergehen gegen Gruppe 3 kann nur nach erfolgtem Straftreffer verhängt werden.

Es gibt jedoch drei Ausnahmen, wo statt einem Straftreffer, eine Verwarnung verhängt wird.

Begeht der Fechter oder jede andere Person, welcher eine Verwarnung wegen eines Gruppe 3-Verstoßes erhalten hat, nochmal einen Gruppe 3-Verstoß, wird er mit der Schwarzen Karte disqualifiziert. Sollte ein Fechter auf der Bahn oder jede Person an der Bahn die Ordnung durch einen besonders schweren Verstoß stören, kann der Obmann ihn sofort mit der Schwarzen Karte ausschließen oder sogar aus dem Wettkampfbereich verweisen.

                                     

9.10. Fechtturnier: Regeln Vergehen der Gruppe 4

Äußerst schwerwiegende Verstöße von Fechtern, werden in die 4. und höchste Gruppe eingestuft. Da es sich hierbei um die schlimmsten aufgeführten Verstöße des Fechtsports handelt, wird der schuldige Fechter sofort mit einer Disqualifikation bestraft. Da der Fechter vom Wettkampf ausgeschlossen wird, gewinnt der Gegner dadurch automatisch. Gleichzeitig wird der Fechter vom Turnier suspendiert und erhält eine Sperre von zwei Monaten in der laufenden Saison oder danach Saisonwechsel ist bei der Junioren-WM am 1. Oktober und bei der Aktiven-WM am 1. Januar.

                                     

10. Organisation

Internationaler Dachverband ist seit 1913 die Fédération Internationale d’Escrime FIE. Die nationalen Sportverbände im deutschen Sprachraum sind der Deutsche Fechter-Bund DFB, der Österreichische Fechtverband ÖFV sowie die Fédération Suisse d’Escrime.