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ⓘ Tote Mädchen lügen nicht (Fernsehserie)



Tote Mädchen lügen nicht (Fernsehserie)
                                     

ⓘ Tote Mädchen lügen nicht (Fernsehserie)

Tote Mädchen lügen nicht ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die auf dem gleichnamigen Roman von Jay Asher basiert. Die erste Staffel wurde am 31. März 2017 auf Netflix veröffentlicht. Auf Netflix wurde ebenfalls ein Making-of namens Tote Mädchen lügen nicht: Die Geschichte dahinter veröffentlicht, in dem auch Psychologen zu Wort kommen. Am 18. Mai 2018 wurde die zweite Staffel und am 23. August 2019 die dritte Staffel auf Netflix veröffentlicht.

Noch vor der Veröffentlichung der dritten Staffel hat Netflix die Serie um eine vierte und letzte Staffel verlängert.

                                     

1.1. Handlung Staffel 1

Zwei Wochen nach dem Selbstmord seiner Mitschülerin Hannah Baker erhält der High-School-Schüler Clay Jensen ein Päckchen. In diesem findet er sieben Audiokassetten vor, auf denen Hannah 13 Gründe für ihren Selbstmord nennt und Personen aus ihrem Umfeld die Mitschuld dafür gibt. Jede Person ist daher für mindestens einen der Gründe mitverantwortlich. Clay ist einer von ihnen. Während er die Kassetten hört, kommt er den dunklen Geheimnissen von Hannah und vielen anderen Mitschülern auf die Spur.

Die Handlung verläuft daher zweigleisig: In der Vergangenheit sieht man Hannahs Geschichten und die Situationen, die sie beeinflusst haben. In der Gegenwart ist Clay dabei, die anderen Personen auf den Kassetten zu konfrontieren. Diese haben die Kassetten teilweise schon gehört und versuchen, die entsprechenden Geschichten zu verarbeiten. Da Hannah auch Straftaten schildert, wollen die meisten verhindern, dass die Kassetten öffentlich bekannt werden.

                                     

1.2. Handlung Staffel 2

Die zweite Staffel stellt den Gerichtsprozess in den Vordergrund, den Hannahs Mutter gegen die Schule führt, um diese für Hannahs Tod zur Verantwortung zu ziehen. Dabei bekommt der Zuschauer Einblicke in die Wahrnehmung der Schüler und erfährt so teils einen Perspektivwechsel zu Hannahs Erzählungen. Viele der Beteiligten werden durch Drohungen dazu gedrängt, die Wahrheit dem Gericht vorzuenthalten. Die Vergewaltigungen von Bryce Walker kommen ans Licht und werden auch zum Bestandteil des Gerichtsprozesses, sowie von vielen Auseinandersetzungen der Schüler.

Eine Reihe weiterer Probleme bahnt sich an, darunter Justins Drogenproblem, die dazu führen, dass Justin bei Clays Familie einzieht, und Tylers labile Gesundheitssituation, die schließlich in einen versuchten Amoklauf mündet, und Unruhen im Sportteam.

                                     

1.3. Handlung Staffel 3

Die Handlung der dritten Staffel beginnt acht Monate nach den Ereignissen beim Spring Fling, wo die Liberty High School nur knapp einem Amoklauf entging. Clay, Tony, Jessica, Justin, Alex und Zach sind damit beschäftigt, Tyler dabei zu helfen, gesund zu werden und die Ereignisse vom Spring Fling zu vertuschen. Nach dem Homecoming-Spiel zwischen Liberty High und Hillcrest verschwindet der Vergewaltiger von Hannah Baker aus der ersten Staffel, Bryce Walker, spurlos und wird später ermordet aufgefunden. Schnell steht Clay Jensen unter Verdacht, aber auch viele Geheimnisse der anderen Jugendlichen werden nach und nach aufgedeckt. Der Zuschauer bekommt den Eindruck, dass jeder Einzelne Gründe für den Mord an Bryce Walker hat.

In der finalen Folge der 3. Staffel wird gezeigt, dass Zach Dempsey im November nach dem Homecomingspiel Bryce am Hafen so weit verprügelt hat, dass er selbst nicht mehr aufstehen konnte. Dies wird damit begründet, dass Bryce für die Beinverletzung von Zach verantwortlich ist. Später kamen Alex und Jessica vorbei, die sich eine Kassette von Bryce abholen sollten. Zuerst half Alex Bryce beim Aufstehen; als Bryce jedoch Zach beleidigte, den besten Freund von Alex, warf ihn Alex in den Fluss. Bryce Walker ist ertrunken.

Erzählt wird die dritte Staffel von Ani, einer neuen Schülerin an der Liberty High School, die Geschehnisse bei der Polizei zu Protokoll gibt. Obwohl sie noch nicht lange an der Schule ist und die Ereignisse um Hannah nicht miterlebt hat, ist sie doch eng mit allem verflochten, da sie zum einen gut mit Clay und den anderen befreundet ist und zum anderen im Haus der Familie Walker wohnt, da ihre Mutter als Pflegerin für Bryce Walkers kranken Großvater arbeitet.



                                     

2. Produktion

Universal Studios erwarb im Februar 2011 die Rechte an der Buchverfilmung zu Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher. Kurze Zeit später wurde die Hauptrolle der Hannah Baker zunächst mit Selena Gomez besetzt. Ende Oktober 2015 gab Netflix bekannt, aus dem Stoff eine Miniserie zu machen, in der Gomez stattdessen als Produzentin mitwirkt. Die Hauptrolle der Hannah Baker bekam nun Katherine Langford und Dylan Minnette die des Clay Jensen. Gedreht wurden die 13 Folgen im Sommer 2016 im Norden Kaliforniens in der North Bay Area. Die Hauptdrehorte waren die Städte San Rafael, Vallejo und Sebastopol. Für die schulischen Szenen wurde die Analy High School in Sebastopol verwendet, welche für die Serie in "Liberty High School" umbenannt wurde. Mehrere Klassenräume und die Bibliothek wurden als Drehorte verwendet. Die Szenen in der Turnhalle sowie des Schulballs wurden auf einer Bühne bei den Mare Island Studios in Vallejo gedreht. Ansonsten wurde ein Großteil der Aufnahmen in Nebenstraßen und Geschäften von San Rafael gedreht.

Die erste Staffel ist seit dem 31. März 2017 weltweit auf Netflix verfügbar.

Anfang Mai 2017 wurde die Produktion einer 13-teiligen zweiten Staffel bestätigt, die am 18. Mai 2018 veröffentlicht wurde. Sie knüpft an das Ende der ersten Staffel an und behandelt die Folgen von Hannah Bakers Tod sowie den komplizierten Heilungsprozess der anderen Figuren.

Noch vor der Veröffentlichung der dritten Staffel am 23. August 2019 wurde die Herausgabe einer vierten und letzten Staffel bestätigt. Sie wurde 2019 abgedreht und wird 2020 erscheinen.

                                     

3. Besetzung und Synchronisation

Die deutsche Synchronisation wird von der Synchronfirma TV+Synchron Berlin erstellt. Verantwortlich für die Dialogregie ist Jeffrey Wipprecht, er verfasst neben Thomas Maria Lehmann, André Lemme, Katharina Seemann und Marco Rosenberg auch das Dialogbuch.

                                     

4.1. Rezeption Kritik

In den USA fand die erste Staffel der Serie überwiegend positives Echo; während sich die The New York Times und The Washington Post kritisch äußerten. Während manche Kulturkritiker die Serie aufgrund ihrer aufgegriffenen Thematiken um Mobbing, Gewalt, sexuelle Belästigung, Vergewaltigung und Suizid positiv bewerteten, wurde Tote Mädchen lügen nicht weltweit von Ärzten und Gesundheitsorganisationen kritisiert. Psychologen in den Vereinigten Staaten warnten Jugendliche und Erwachsene davor, sich die Serie anzusehen, da diese psychische Probleme verstärken oder hervorrufen könne. Auch wurde davor gewarnt, dass die Serie zu Trittbretttaten führen könnte. Ebenso forderten sie Netflix dazu auf, die Ausstrahlung der Serie zu beenden. Paris Jackson unterstützte die Kritik der Psychologen und vertritt die Meinung, dass die Serie bei psychisch vorbelasteten Menschen eine Verschlechterung des seelischen Gemütszustandes hervorrufen könne. Tatsächlich gab es Meldungen, dass einige Schüler sich selbst verletzten und als Begründung die Fernsehserie angaben. Jamie Tworkowski, Gründer der Non-Profit-Organisation To Write Love on Her Arms, schrieb in einem Brief, dass psychisch vorbelastete Menschen die Serie meiden sollten. An mehreren kanadischen Schulen wurde die Fernsehserie verboten; in Neuseeland dürfen nach einem Beschluss der nationalen Behörden Minderjährige die Serie nur im Beisein eines Erziehungsberechtigten sehen.

Die australische Gesundheitsorganisation Headspace kritisierte, dass die Serie gefährliche Inhalte mit dem Thema Suizid verbinde. Managerin Kristen Douglas wies darauf hin, dass Anrufe und E-Mails bei Beratungsstellen, die auf die Serie bezogen waren, zugenommen haben. In Deutschland ist ein derartiger Anstieg der Anrufe und E-Mails in Bezug auf die Serie bei der Nummer gegen Kummer nicht zu verzeichnen. Auch die Darstellung von Hannahs Suizid in der Serie wird als verantwortungslos kritisiert. Die Organisation Mindframe schloss sich der Kritik an, da derartige Szenen zu Nachahmungstaten führen könnten. Am Anfang der Serie wird vor möglichen Folgen gewarnt, das sei aus Sicht der US-amerikanischen Aktivisten von Save unzureichend. Headspace appelliert an Eltern, Schulen und Gesundheitsorganisationen, sich mit den Themen der Serie auseinanderzusetzen. Netflix hat diese Szene deshalb entfernt.

Ute Lewitzka, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention, hält die Kritik der Hilfsorganisationen und Arztkollegen für gerechtfertigt, auch wenn die Produzenten der Serie laut Lewitzka einen guten Ansatz verfolgten. Lewitzka sagte, dass versucht werde, auf das Thema Suizid aufmerksam zu machen und aufzuklären, jedoch kritisierte sie die Art und Weise, wie das versucht wird. Die Serie biete eine große Projektionsfläche für Jugendliche, die sich einer vergleichbaren Situation ausgesetzt sehen. Auch der Hinweis von Netflix, dass die Serie verstörend wirken könnte, wird als unzureichend kritisiert. Lewitzka vertritt die Meinung, dass die Serie für psychisch belastete Jugendliche und junge Erwachsene nicht geeignet sei.

Nic Sheff, der zum Autorenteam der Serie gehört, widersprach dem. So sagte er in einem Interview, dass die Serie den Zuschauer mit der Realität konfrontiere und verdeutlichte, dass Selbstmord keine Erlösung, sondern qualvollen Horror darstelle. Zudem, so Sheff, räume die Serie mit der Vorstellung auf, dass man bei einem Suizid ruhig in den Schlaf gleite. Schauspielerin Kate Walsh forderte, dass Tote Mädchen lügen nicht als Pflichtprogramm in die Schulen aufgenommen werden müsse. Walsh begründete ihre Aussage damit, dass die Serie zeige, wie ein Suizid aussehe, und dass um dieses Thema ein viel zu großes Geheimnis gemacht werde. Außerdem fördere die Serie Gespräche über Probleme wie sexuelle Gewalt, Mobbing in der Schule sowie Verfolgung aufgrund der Hautfarbe, des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung. Auch Selena Gomez verteidigte Tote Mädchen lügen nicht gegen die Vorwürfe. Sie argumentierte, dass man sich an die Handlung des gleichnamigen Romans gehalten habe, und sagte, dass der Film das Werk von Jay Asher visualisiert darstelle. Sie sagte, dass die Serie früher oder später kontrovers diskutiert werden würde. Das Thema Suizid sei nicht einfach zu besprechen, deswegen sei sie froh, wie die Diskussion um das Thema derzeit vonstatten gehe.



                                     

4.2. Rezeption Studien zum Suizidrisiko

Ein möglicher Zusammenhang zwischen einer Steigerung des Suizidrisikos und dem Konsum der Serie wurde erstmals von der Universität Michigan erforscht. Die Studie kam nicht zu dem Ergebnis, dass Zuschauer der Serie eher dazu neigen, sich das Leben zu nehmen oder darüber nachzudenken. Unter anderem wegen ihrer geringen Fallzahl war sie auch nicht repräsentativ. Die Studienmacher wiesen aber darauf hin, dass die Ergebnisse in Bezug auf bereits psychisch erkrankte Jugendliche besorgniserregend seien. Für die Untersuchung wurden 87 suizidgefährdete Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren befragt. Die Hälfte von ihnen hatte mindestens eine Folge der Serie gesehen. Wiederum die Hälfte jener Zuschauer, insgesamt also 21, gab darauf an, die Serie hätte ihr persönliches Suizidrisiko erhöht. Studienleiter Dr. Victor Hong von der Universität Michigan zog daraus die Schlussfolgerung: "Die Studie beweist, dass wir uns definitiv Sorgen darüber machen sollten, wie die Sendung sich auf leicht beeindruckbare und verletzliche Teenager auswirkt." Die Studie stellte ebenfalls ein erhöhtes Risiko fest bei jenen Studienteilnehmern, die sich mit der Hauptfigur der Serie, Hannah Baker, stark identifizierten. Gut zwei Drittel der an der Studie teilnehmenden Teenager waren weiblich.

Anfang Mai 2019 wurde bekannt, dass es einer im "Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry" veröffentlichten Studie zufolge in den neun Monaten nach Beginn der Serie einen z. T. "signifikanten" Anstieg von Selbsttötungen in der Altersgruppe zwischen zehn und 17 Jahren in den USA, vor allem unter Jungen, gegeben habe, ohne dass die Studie ergeben habe, "ob die Serie den Anstieg tatsächlich verursacht hat oder weitere Faktoren eine Rolle spielten". Parallel dazu führten auch Suizidforscher der Medizinischen Universität Wien eine vergleichbare Studie durch. Sie berechneten, dass sich nach dem Start der Serie Ende März 2017 in den folgenden drei Monaten 13 Prozent mehr zehn- bis neunzehnjährige Teenager umbrachten als erwartet. Statistisch wären es 710 Suizide, tatsächlich waren es aber 94 mehr. Thomas Niederkrotenthaler, Leiter der Studie, forderte, die Filmemacher viel mehr in die Pflicht zu nehmen. Die Unterhaltungsindustrie könne eine wichtige Rolle bei der Prävention spielen, im Sinne des Papagenoeffekts: "Suizid zu thematisieren ist gut, aber man sollte Hilfsmöglichkeiten zeigen und wie jemand aus einer vermeintlich ausweglosen Situation herausgekommmen ist", so Niederkrotenthaler. "Filme können ein Rettungsanker sein."

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